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Seite drucken - EM.TV-Kurse: BGH gibt Aktionären Recht

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Allgemeines => Allgemeine Themen und News => Thema gestartet von: Nike am 20. Juli 2005, 08:52:56



Titel: EM.TV-Kurse: BGH gibt Aktionären Recht
Beitrag von: Nike am 20. Juli 2005, 08:52:56
Karlsruhe (dpa) - Im Streit um Schadenersatz für Kursverluste der Medienfirma EM.TV haben Kleinaktionäre beim Bundesgerichtshof (BGH) einen wichtigen Etappensieg errungen.

Die Aktionäre können gegen Rückgabe der inzwischen abgestürzten Papiere den vollen Kaufpreis zurückverlangen, wenn sie nachweisen, dass sie die Aktien auf Grund falscher Unternehmensmitteilungen der einstigen EM.TV-Vorstände Thomas und Florian Haffa gekauft haben. Das geht aus einem Urteil hervor, dessen schriftliche Begründung jetzt bekannt geworden ist.

Das Karlsruher Gericht verwies die Verfahren von 42 Klägern an das Oberlandesgericht (OLG) München zurück. Im ursprünglichen Verfahren hatten 55 Kläger rund 800 000 Euro Schadensersatz gefordert. (Aktenzeichen: II ZR 287/02 vom 9. Mai 2005)

Das OLG muss nun vor allem prüfen, ob unrichtige Pflichtmitteilungen im Jahr 2000 ursächlich für den Kauf der Aktien waren. Dies könne nicht pauschal beurteilt werden, weil Anlageentscheidungen «individuell geprägte Willensentschlüsse» seien, befand der BGH. Wenn die Betroffenen unmittelbar nach einer fehlerhaften Mitteilung des Unternehmens Aktien geordert hätten, spreche dies für eine Ursächlichkeit.

Die Ausgangsposition der Kleinaktionäre war bereits durch ein Strafurteil des BGH vom Dezember 2004 gestärkt worden. Damals hatte der BGH hohe Geldstrafen gegen die einstigen Börsenstars Thomas und Florian Haffa bestätigt. Sie wurden für schuldig befunden, in einem Halbjahresbericht am 24. August 2000 wissentlich falsche Umsatzzahlen veröffentlicht und damit den Aktienkurs nach oben getrieben zu haben. Nach einer Korrektur der Zahlen im Oktober 2000 war der zunächst rasant gestiegene Kurs eingebrochen.

Nach den Worten des BGH müssen sich die Aktionäre jedenfalls nicht - wie vom OLG angenommen - auf einen kleinen Schadensersatz verweisen lassen, der sich aus der Differenz zwischen dem infolge der Falschmitteilung überhöhten und dem hypothetisch angemessenen Kurs berechne. Vielmehr könnten sie wegen «vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung» grundsätzlich den vollen Preis zurückfordern.

Der Münchner Rechtsanwalt Klaus Rotter, der rund 200 Kläger vertritt, sieht die Chancen seiner Mandanten nach dem Urteil gestiegen. Da die Aktionäre laut BGH nicht nur die Brüder Haffa, sondern auch die EM.TV AG direkt haftbar machen könnten, seien etwaige Ansprüche besser durchsetzbar, teilte er mit.
19. Juli 2005 | 14:43 Uhr | Quelle: dpa