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Allgemeines => Allgemeine Themen und News => Thema gestartet von: Nike am 07. Dezember 2006, 13:01:04



Titel: Zu enger Kontakt kann gefährlich sein
Beitrag von: Nike am 07. Dezember 2006, 13:01:04
Hagen (dpa/gms) - Die Grafikerin macht sich selbstständig und fragt ihre Freundin, die Betriebswirtin, ob sie mit einsteigen möchte. Mit einer vertrauten Person zu arbeiten, scheint vielen Menschen reizvoll. Schließlich sind die Macken und Vorzüge des anderen bestens bekannt.

Ein enger privater Kontakt kann im Job aber auch Probleme schaffen. «Man sollte sich gut überlegen, mit wem man zusammenarbeitet», rät der Psychologe Horst Heidbrink. Zunächst einmal hat es Vorteile, mit Freunden zusammen zu arbeiten. «Freundschaft setzt voraus, dass man sich gegenseitig unterstützt. Es ist angenehm, wenn das auch im beruflichen Alltag gegeben ist», sagt Heidbrink, der an der Fernuniversität Hagen zum Thema Freundschaften forscht. Freunde sind vertraut, die sonst übliche langsame Annäherung unter Kollegen falle weg, ergänzt Hermann Refisch, Psychologe in Frankfurt/Main.

Das alles kann den Arbeitsalltag erleichtern. Mit Freunden zu arbeiten, birgt aber auch Konflikte: «Freundschaften beruhen auf Gleichwertigkeit», erklärt Heidbrink. Genau die sei im Berufsleben aber häufig nicht gegeben. Im Extremfall könne es dazu kommen, dass einer von beiden befördert wird und eines Tages seinem Freund kündigen muss.

Empfiehlt ein Arbeitnehmer einen Freund, geht er damit ein Risiko ein. «Ich kenne den anderen zwar, weiß aber meist nicht, wie der arbeitet», sagt Arndt Werner vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. «Möglicherweise bringt er nicht die Leistung, die ich erwartet habe.» Dann stehe auch der Fürsprecher schlecht da. Verbringen die Freunde viel Zeit miteinander, werden sie von Kollegen und Vorgesetzen schnell als Einheit wahrgenommen. «Um das zu vermeiden, sollten sie unterschiedliche Standpunkte auch öffentlich ausdiskutieren - etwa in einer Teambesprechung», rät Hermann Refisch. «Dann sehen die anderen, dass jeder eine eigene Meinung hat.»

Vertrauliche Informationen können Freunde in Loyalitätskonflikte bringen, etwa wenn der eine im Vertrauen erfährt, dass der Job des anderen gefährdet ist. «Das ist ein ganz schwieriges Problem», sagt Heidbrink. Informiert er den Freund und reagiert dieser darauf, vermuteten alle, dass der Eingeweihte nicht dicht gehalten hat.

Gerade bei Selbstständigen ist die Versuchung groß, zu glauben, dass die Freundschaft allein für gutes Zusammenarbeiten ausreicht. «Es kommt immer wieder vor, dass sich Freunde zusammentun und eine Firma gründen», sagt Britta Heegart, Beraterin bei der Handelskammer Hamburg. «Wir haben aber auch immer wieder Fälle, wo die Freunde dann später wegen Problemen noch einmal bei uns auftauchen.»

Hat einer der Freunde das Gefühl, die Zusammenarbeit hapert, bringt es nichts, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Doch fällt es gerade Freunden schwer, den anderen zu kritisieren - aus Angst, die Freundschaft zu gefährden oder dem anderen Unrecht zu tun. «Es ist besser, auch etwas Unangenehmes anzusprechen, als dauerhaft den Ärger zu schlucken», sagt Refisch