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Zeitungs-Horoskope liegen selten daneben
 
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« am: 11. Januar 2007, 06:50:41 »

Greifswald (dpa) - Wohl kaum eine andere Rubrik in Zeitungen wird offiziell so belächelt und heimlich so gern gelesen wie Horoskope. Die Greifswalder Germanistin Katja Furthmann hat herausgefunden, warum Horoskope nur selten daneben liegen.

«Sie würden gerne mehr aus sich machen?», «Nichts überstürzen: Mond und Mars geben Chaos-Warnung» oder «Entrümpeln Sie ihren Schrank und ihre Seele» - die Sterne verraten den besten Zeitpunkt für einen Partnerwechsel oder die Bitte um eine Gehaltserhöhung beim Chef. «Der Grund, warum Horoskoptexte fast immer zutreffen, ist ihre perfekte und kalkulierte Wahl stereotyper Muster und deren geschickte sprachliche Formulierung», erklärt Furthmann.

Thematisch appelliere das Horoskop vor allem an das «Prinzip der Mäßigung»: Man solle Extreme vermeiden, weder zu aktiv noch zu passiv sein. Sprachlich sind Pressehoroskope nach Erkenntnissen der Wissenschaftlerin von Vagheit, Mehrdeutigkeit und Allgemeinheit gekennzeichnet. Da heißt es etwa: «Gut möglich, dass in den nächsten Tagen eine weit reichende Entscheidung auf Sie zukommt» oder «Ein Gewitter reinigt die Luft - danach wird's sonnig». Ergebnis seien Formulierungen, die für alle und jeden gelten.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie lesen etwa 77 Prozent der Bevölkerung Pressehoroskope, davon 15 Prozent regelmäßig unabhängig von Alter, Berufsgruppe, Schulbildung oder politischer Orientierung. Mit 87 Prozent ist demnach das Interesse an Zeitschriftenhoroskopen bei Frauen deutlich höher als bei Männern (66 Prozent).

Germanistin Furthmann untersuchte für ihre Doktorarbeit an der Universität Greifswald 2880 Einzelhoroskope aus insgesamt 24 Zeitungen und Zeitschriften. Im Mittelpunkt der Arbeit standen die sprachlichen Besonderheiten der Textsorte. «Zentrales Kommunikationsprinzip von Pressehoroskopen ist die "Pseudo-Individualisierung"», sagt die 27-Jährige. So werde der Leser direkt in der zweiten Person mit «Sie» oder «Du» angesprochen: «Damit wird eine persönliche Bindung bewusst inszeniert.»

Schließlich stünden die Verfasser von Pressehoroskopen vor einem Dilemma. «Pressehoroskope erscheinen öffentlich in einem Massenmedium und werden für ein großes, anonymes, Publikum getextet. Gleichwohl lesen die Rezipienten das Horoskop, weil sie sich angesprochen fühlen und etwas Persönliches daraus erfahren möchten», sagt die Germanistin. Viele Leser fänden in Horoskopen in Zeiten zunehmender Beziehungslosigkeit und Vereinzelung zudem eine Instanz, die an ihrem Leben Anteil nehme und ihnen Lob und Ermutigung, Trost und Beruhigung, Bestätigung und Beistand signalisiere. «Horoskope sind oft Balsamtexte», sagt Furthmann.

Die Forscherin ruft Leser von Horoskopen auf, bewusst auf den «sprachlichen Schleier» der Texte zu achten. Es gelte, Formulierungen auf ihre Vagheit und Ungenauigkeit hin zu prüfen und die inhaltlichen Muster zu hinterfragen. Schreiber von Horoskopen zielten fast immer auf die Eitelkeit der Leser, sagt Furthmann - etwa mit Formulierungen wie «Klasse, wie Sie die Sachen angehen!», «Zurzeit mischen Sie ganz vorne mit. Bravo!», «Hut ab! Ihr Karrieretempo ist wirklich Schwindel erregend.». Selbst Negatives werde stets in positivem Licht dargestellt - etwa: «Zugegeben, Widder gehören jetzt nicht zu den Glückskindern. Aber so schlecht, wie die Miesepeter meinen, steht es wirklich nicht. Nur Mut, Sie schaffen das!»

Am Ende der meist beiläufigen Lektüre von Horoskopen, so Furthmanns Fazit, stehe jedoch nicht selten die Gewissheit, dass sich für den Leser wenig ändert und das eigene Leben nicht weiter berührt wird.
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