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Angehörige sollten Alkoholikern die «Tarnung» verweigern
 
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18. November 2017, 08:27:09 *
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Autor Thema: Angehörige sollten Alkoholikern die «Tarnung» verweigern  (Gelesen 1357 mal)
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« am: 06. Mai 2007, 12:41:46 »

Wuppertal (dpa/tmn) - Alkoholiker sind nur selten dazu in der Lage, ihre Sucht zu erkennen. Eine wesentlich wichtigere Rolle spielten die Angehörigen, erklärt Andrea Schmidt vom Blauen Kreuz Deutschland in Wuppertal.

Der Süchtige selbst glaube lange Zeit, er habe alles im Griff. «Es gehört zur Krankheit dazu, dass man sich selbst betrügt.» Am Donnerstag war in Berlin der jüngste Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung vorgestellt worden. Demnach gelten 1,6 Millionen Bundesbürger als als alkoholabhängig.

Zwar könnten auch der Partner oder die Kinder einen Alkoholkranken nicht zwingen, zu einer Suchtberatung zu gehen. Angehörige können allerdings laut Schmidt einen Beitrag leisten, indem sie den Betroffenen die «Tarnung» entziehen. «Die Ehefrau sollte beispielsweise nicht mehr beim Chef anrufen und sagen 'Mein Mann ist krank', wenn er betrunken auf dem Sofa liegt», sagt die Expertin. Auch sollten die Alkoholprobleme im Familien- und Freundeskreis nicht verschwiegen werden. So werde mehr Druck auf den Abhängigen ausgeübt, sich seiner Sucht zu stellen.

«Der erste Impuls von Angehörigen ist immer: Die anderen dürfen das nicht wissen», sagt Schmidt. Dabei sei das offene Reden über die Probleme kein Verrat, sondern auch Selbstschutz für die Angehörigen. «Die Ko-Abhängigkeit ist eine anerkannte Krankheit», sagt Schmidt. Sie äußere sich oft durch psychosomatische Beschwerden, etwa Herz- und Kreislaufprobleme. «Im Extremfall können sie so stark sein, dass die Angehörigen eher sterben als die Süchtigen selbst.»

Sinnvoll sei es auch, den Betroffenen auf seine Sucht anzusprechen. Vorwürfe sind allerdings eher kontraproduktiv: Dann steigere sich der Süchtige in eine Opferrolle hinein oder reagiere erst recht trotzig. «Das einzige, was die Tür öffnen kann, ist die eigene Sorge», sagt Schmidt - etwa wenn dem Süchtigen vermittelt werde, dass man Angst um die Familie oder um sein Leben habe.

Angehörige sollten auch ruhig zunächst allein eine Suchtberatungsstelle aufsuchen, schlägt Schmidt vor. Eine professionelle Suchtberatung sollte auch für den Betroffenen selbst eine erste Anlaufstelle sein. Eine Selbsthilfegruppe sei später eine gute Begleitung.
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