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Was Kinder stark gegenüber Fremden macht
 
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« am: 08. November 2004, 15:32:55 »

Berlin/Hannover (dpa/gms) - Das Spielen in der Gruppe und ein gutes Risikobewusstsein sind für Kinder der beste Schutz gegen Übergriffe von Fremden. Darauf weisen Experten vor dem Hintergrund des Falles des vermissten achtjährigen Felix aus Niedersachsen hin.

Eltern sollten aber auch auf das Einhalten von Regeln bestehen: »Wenn Kinder diesen Alters allein unterwegs sind, sollten sie mit Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein«, sagt Elke Nowotny, Vorstandsvorsitzende des Kinderschutz-Zentrums Berlin.

Der Achtjährige aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme hatte am Samstag mit dem Fahrrad einen Freund besuchen wollen. Der Treffpunkt war rund 3,5 Kilometer Luftlinie vom Elternhaus entfernt. Um 17.00 Uhr sollte er zurück sein, doch daheim kam er nie an. »Achtjährige Kinder wollen vieles allein machen. Eltern sollten sicher sein, dass den Kindern die Strecke bekannt ist und sie nicht zu lange allein in ländlicher Gegend unterwegs sind«, urteilt die promovierte Psychologin Nowotny.

Laut Ralf Schmitz, ehemaliger Polizeibeamter und Konflikttrainer beim »Sicher-Stark-Team« in Euskirchen, kann einem Achtjährigen eine längere Fahrradstrecke allerdings durchaus zugemutet werden: »Kinder kann man nicht wegschließen«. Es sei aber wichtig, dass sie gelernt haben, Gefahrensituationen richtig einzuschätzen: »Wenn es dunkel ist, sollten sie in der Lage sein, eine Telefonkarte zu benutzen und sich abholen zu lassen.«

Selbst im Falle von körperlichen Übergriffen haben Kinder laut Schmitz eine Chance: »Kinder haben traumhaft laute Stimmen, und wenn sie beißen, tut das auch einem Erwachsenem weh.« Am besten sei es aber, wenn es zu solchen Situationen gar nicht erst komme.

Grundsätzlich sind Kinder weniger gefährdet, wenn sie lange Strecken mit dem Fahrrad nicht allein, sondern zu zweit bewältigen, sagt Katharina Abelmann-Vollmer, beim Deutschen Kinderschutzbund in Hannover Referentin für den Bereich Gewalt gegen Kinder. Einen guten Schutz böten Gruppen von Spielkameraden aus allen Altersstufen.

Doch die gebe es auch auf dem Land immer seltener. Bezugspunkt sei heute nicht mehr die Nachbarschaft, sondern der Klassenverband. »Gerade in ländlichen Regionen müssen die Kinder dann teilweise weite Strecken bewältigen, um gleichaltrige Freunde zu treffen.« Günstig sei es deshalb, wenn Vater und Mutter auch Freundschaften am Wohnort fördern. Wohnt der beste Freund weit entfernt, sollten Eltern sich absprechen und Fahrdienste teilen, empfiehlt Abelmann-Vollmer.

In der Stadt gebe es die Gefahr der Übergriffe auch, wenngleich die Straßen hier belebter sind, sagt Elke Nowotny vom Kinderschutz- Zentrum in Berlin. Eltern sollten daher ein möglichst genaues Bild davon haben, wohin ihr Kind fährt und mit wem es sich trifft. Zusätzlich sollten sie ihren Kindern sagen: »Geh nicht mit Leuten mit, die du nicht kennst. Und in Hochhäusern steige nicht in Fahrstühle mit Menschen ein, die du noch nie gesehen hast.«

Laut Nowotny ist nicht befürchten, dass Eltern die Kinder durch ein sachliches Gespräch über mögliche Risiken noch mehr ängstigen. »Man sollte die Dinge klar benennen und Kindern beispielsweise sagen: "Es gibt Leute, die sprechen Kinder in deinem Alter an. Die können dich auch manchmal anfassen".« Im Alter ab sechs Jahren ist laut Ralf Schmitz vom »Sicher-Stark-Team« ein Konflikttraining in Schule oder Kindergarten sinnvoll, bei dem Gefahrensituationen durchgespielt werden. Aber auch mit kleineren Kindern könne über mögliche Risikosituationen gesprochen werden.

Bei aller Sorge sollten Eltern laut Abelmann-Vollmer nicht vergessen, dass Kinder Freiheiten benötigen, um wachsen zu können. Ein Fahrrad gehöre zu den Dingen, die Jungen und Mädchen unabhängiger machen. Kinder bräuchten es, ihren Radius auszudehnen. Wichtig ist laut Nowotny auch, dass Eltern miteinander immer wieder diskutieren, was man Kindern in welchem Alter zumuten kann. »Letztlich aber gibt es kein Kinderleben ohne Risiko«, so Abelmann-Vollmer.
03.11.2004   dpa
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