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Forscher: Deutsche haben sich «das Kinderhaben abgewöhnt»
 
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15. Oktober 2018, 21:35:03 *
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Autor Thema: Forscher: Deutsche haben sich «das Kinderhaben abgewöhnt»  (Gelesen 1435 mal)
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« am: 26. März 2005, 10:12:31 »

Potsdam (dpa) - Um die Zahl der Geburten in Deutschland wieder steigen zu lassen, ist ein fundamentaler Bewusstseinswandel notwendig. «Wir haben uns irgendwie das Kinderhaben abgewöhnt», sagte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Demographie, Charlotte Höhn.

Daran könne die Familienpolitik nur wenig ändern. An der Jahrestagung der Gesellschaft nehmen gut 100 Wissenschaftler und Vertreter der öffentlichen Verwaltung teil. Seit etwa 30 Jahren liegt Höhn zufolge die Geburtenrate in der Bundesrepublik bei etwa 1,4 Kindern pro Frau. Um die Bevölkerungsgröße jedoch konstant zu halten, wären 2,1 Kinder notwendig. Schon jetzt fehle ein Drittel der unter 30-Jährigen, die für eine Reproduktion notwendig wären. «Wir haben bestimmt wertvolle Jahre verloren», stellte die Professorin fest. Dabei gebe es hier zu Lande keine bewusste Kinderfeindlichkeit. Vielmehr habe sich die Entwicklung «einfach so ergeben».

Höhn würdigte ausdrücklich die Anstrengungen der Politik, eine Kehrtwende herbeizuführen, schätzte die Erfolgsaussichten jedoch gering ein. So führe die Annahme, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Kinderbetreuungsangebot und Geburtenzahl gibt, in die Irre. Auch Geld spiele nur eine untergeordnete Rolle. «Der finanzielle Anreiz ist nicht das Entscheidende.»

Dennoch sei Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) mit dem Ausbau einer Mindestbetreuung für Kleinkinder sowie von Ganztagsschulen im Prinzip auf dem richtigen Weg. Dadurch könnte die Geburtenrate eventuell wieder leicht steigen. Schmidt hatte ihre Teilnahme an der Jahrestagung der Demographen wegen einer Erkrankung abgesagt.

Nach der jüngsten Statistik kamen im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik rund 712 000 Kinder zur Welt, 0,5 Prozent weniger als 2003. Bis auf zwei Ausnahmen ging seit 1991 die Zahl der Geburten jedes Jahr zurück. Anders als beispielsweise in Frankreich sei der Wunsch nach Beruf und Karriere in Deutschland viel ausgeprägter als nach Familie, erläuterte Höhn. Im Nachbarland hätten auch gerade Akademikerinnen viele Kinder, während sie in Deutschland eher kinderlos blieben.

Nach Erkenntnis der Demographen haben hier zu Lande vor allem Wohlhabende und ärmere soziale Schichten überdurchschnittlich viele Kinder. Dagegen fehle der Nachwuchs in der breiten Mittelschicht, wo die Zwei-Kinder-Familie vorherrsche. Statistisch nähern sich Höhn zufolge Frauen bei der ersten Geburt einem Durchschnittsalter von 30 Jahren. Allgemein sei aber für Männer wie Frauen ratsam, zwischen 20 und 30 Jahren eine Familie zu gründen.

Demographie-Tagung: www.demographie-online.de
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