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Das Gewicht liegt in den Genen aber nicht nur darin
 
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19. November 2017, 13:50:22 *
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« am: 19. Mai 2005, 10:39:11 »

Hamburg (dpa) - Bei einem lässt schon ein Stück Kuchen zum Kaffee die Fettpölsterchen schwellen. Der andere kann zwei Stück Sahnetorte essen, ohne zuzunehmen. Diese Vermutung meist gut beleibter Menschen ist nicht ganz verkehrt. Gene scheinen zumindest mehr Einfluss auf das Gewicht eines Menschen zu haben als sein Umfeld und seine Erziehung.

Die Bedeutung der Erbanlagen hatte der US-Psychiater Albert Stunkard schon in den 1980er Jahren in einer wegweisenden Studie entdeckt, als er das Gewicht von mehr als 500 adoptierten Kindern untersuchte. Es glich dem ihrer biologischen Eltern wesentlich stärker als dem ihrer Erzieher. Ein Team um James Romeis von der Universität St. Louis präsentierte in diesem Jahr eine Langzeituntersuchung mit Vietnam-Veteranen, der zufolge etwa 50 Prozent der Gewichtsänderung bei Erwachsenen genetisch bedingt sind.

Klar ist, dass unsere Gene für Menschen ausgelegt sind, die sich viel bewegen und Notzeiten erleiden müssen. Bei einem Bürojob und allzeit griffbereiter Nahrung führt das Fettspeicherprogramm des Körpers daher oft zu Übergewicht. Die in der Evolution gebildeten Programme hätten einen beachtlichen Einfluss auf das Gewicht, erläutert der Ernährungspsychologe Prof. Volker Pudel von der Universität Göttingen. «Dennoch bestimmen sie kein unentrinnbares Schicksal, da es auch auf die Umwelt ankommt. Und die kann ein Mensch in Grenzen selbst gestalten.»

Warum aber gibt es schlanke Büromenschen, die weder Sport treiben noch Diäten benötigen? Auch dies liegt zumindest zum Teil im Erbgut. «Die Nahrung wird je nach genetischer Ausstattung unterschiedlich verwertet», erläutert Prof. Annette Schürmann, Pharmakologin beim Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

Erste Rädchen der Übergewichtsmaschinerie sind schon entdeckt: Einige Dicke haben eine veränderte Andockstelle für Sättigungshormone. Menschen mit diesem gestörten Melanocortin-4- Rezeptor etwa können das körpereigene Signal für Sättigung nicht oder kaum noch empfangen und werden daher dicker. Bei anderen - allerdings sehr wenigen Menschen - ist das Gen für das Sättigungshormon Leptin gestört.

Das von Fettzellen produzierte Leptin spiele dennoch bei Übergewichtigen eine große Rolle, erläutert Schürmann. Je mehr Fettzellen ein Mensch habe, desto mehr Leptin produziere er. Der Körper reagiere jedoch nicht ausreichend auf diese übermäßige Hormonausschüttung, da er gegen das Hormon resistent geworden sei. «Das Hormon bindet zum Beispiel schlechter an den Rezeptor, oder das Signal wird nur abgeschwächt weitergeleitet.» So kann es den Essensdrang nicht mehr stoppen eine Kaskade, die sich bei Übergewichtigen mit der Zeit aufgeschaukelt habe und nur schwer zu durchbrechen sei.

«Der größte Trick ist, früh genug das Gewicht zu kontrollieren und die Essensgewohnheiten umzustellen, bevor die Waage 20 Kilo zu viel anzeigt», meint Schürmann. Je stärker das Gleichgewicht der verschiedenen Botenstoffe aus den Fugen geraten sei, um so schwerer sei es, dieses wieder herzustellen.

Unfairerweise werden nicht nur die Nahrungsverwertung und die Lust aufs Essen von den Genen beeinflusst, sondern auch der Geschmack. Menschen mit einer bestimmten Genvariante haben beispielsweise eine Abneigung gegen Kohl und Spinat. Sie können die speziellen Bitterstoffe besonders gut wahrnehmen, wie Prof. Wolfgang Meyerhof vom Ernährungsforschungsinstitut DIfE herausgefunden hat. Wer die Bitterstoffe dagegen gar nicht wahrnimmt, tendiert laut DIfE zu einem erhöhten Fettkonsum und damit erhöhtem Körpergewicht. Schürmann: «Das zeigt, dass die Gene eine große Rolle spielen, aber die Gewohnheit darf man nicht außer Acht lassen. So nimmt die Prägung, die zum Beispiel ein Kind erfährt, ebenfalls großen Einfluss auf seine Essgewohnheiten und auf die Entwicklung seines Körpergewichts.»

Gentests für richtiges Essen hält die Forscherin in Zukunft für nützlich. «In einigen Jahrzehnten ist es gut möglich, dass ein Arzt spezifische Ernährungsratschläge gibt, wenn das genetische Profil bekannt ist», glaubt Schürmann. «Und wenn ich die individuellen Risiken kenne, kann ich das Essen vom Verstand her beeinflussen.»
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