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Dortmund: Randale nach der Demo
 
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22. November 2017, 12:59:02 *
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Nike
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« am: 30. Januar 2006, 05:15:52 »

Dortmund - 1600 friedliche Demonstranten gegen Rechtsextremismus. Das war die eine Seite. Die andere waren Krawalle rund um den Neonazi-Aufmarsch am Samstag: Die Polizei nahm 152 linke und rund 60 rechte Störer vorübergehend fest.


"Das gab es seit Jahren nicht mehr", sagte Polizeipräsident Hans Schulze, "die Stimmung war deutlich emotionaler als sonst." Als Grund nannte er zum einen das juristische Tauziehen um die Versammlung, zum anderen die Berichterstattung in den Medien.

Zu großen Problemen kam es, als das "Bündnis 28.3." (gegründet nach dem Mord an Punker "Schmuddel") gegen 12.20 Uhr seine Demo vorzeitig auflöste: Wie verabredet stürmten rund 300 der insgesamt 600 Teilnehmer über die Chemnitzer-, Landgrafenstraße und Ruhrallee, um den Rechten den Weg zu blockieren. "Dabei rannten sie Polizeiketten um und verletzten zwei Beamte durch Faustschläge ins Gesicht", berichtet Einsatzleiter Dieter Keil.

Tränengas gegen Polizei

Die gewaltbereiten Störer (großteils Auswärtige) setzten auch Tränengas ein und schmissen 20 Mülltonnen um. Erst an der Eintrachtstraße gelang es mit massiven Einsatzkräften, die Gruppe einzukeilen - nach und nach kam sie ins Polizeigewahrsam. Alle müssen sich wegen Landfriedensbruch, einige auch wegen Körperverletzung, Widerstand und Gefangenenbefreiung verantworten.

Nach Ende der rechten Demo kam es gegen 17.15 Uhr an der Rheinischen Straße zu Unruhen: 15 Neonazis zündeten ein Trafo-Häuschen an, 45 rannten am Nazi-Laden "Donnerschlag" in den fließenden Verkehr. Vor Ort kesselte die Polizei die Randalierer ein und stellte ihre Personalien fest. Zuvor hatte deren Aufmarsch ein vorzeitiges Ende gefunden - weil immer wieder linke Gruppen die Route blockierten. Der Anmelder lehnte vorgeschlagene Umwege ab und löste den Zug an der Kreuzung Hainallee/Landgrafenstraße auf. Die Polizei führte die Teilnehmer, die sofort wieder während der Demo verbotene Parolen grölten, in Richtung Südbad ab.

Überaus friedlich verlief dagegen die Demonstration des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus: Gut 1600 Bürger zogen durch die Stadt , um gut 200 Rechten deutlich zu machen, dass Dortmund eben nicht "ihre Stadt" ist. "Das war eine gut organisierte und sehr eindrucksvolle Kundgebung", fand auch der Polizeichef.


"Demokratisches Dortmund" auf der Straße

Um 13.40 Uhr wurde es laut vor der Großmarkt-Einfahrt am Heiligen Weg. In Sichtweite der 1600 Demonstranten, die dem Aufruf des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus gefolgt waren, zog, durch eine dichte Polizeikette getrennt, der rechte Aufmarsch mit rund 200 Neo-Nazis vorbei. "Nazis raus", hallte es über die Kreuzung. Hier blieb es bei Worten, die hin und her über die Straße flogen.

"Hier demonstriert das demokratische Dortmund", hatten die Sprecher des Arbeitskreises als Motto für den Protestzug ausgegeben, der am Samstagmittag vom Vinckeplatz im Kreuzviertel in Richtung Südbad und dann zum Heiligen Weg zog. Trotz eisiger Kälte schlossen sich nach und nach bis zu 1600 Demonstranten an.

Die Aussage der Neonazis, dies sei ihre Stadt, sei ein Versuch, Dortmund zu diffamieren, erklärte Bürgermeisterin Birgit Jörder. Mit der großen Demonstration werde "diese Lüge sichtbar entlarvt". "Die Neonazis haben gesehen, dass die Dortmunder Bürgerinnen und Bürger alles tun, um ihre Aktivitäten zurückzuweisen", stellte denn auch Pfarrer Friedrich Stiller als einer der Organisatoren am Ende zufrieden fest.

"Diese Stadt hat keinen Platz für Nazis", war der zentrale Satz fast aller Redner an diesem Nachmittag. Der Reigen der Teilnehmer reichte von Parteien und Verbänden über Jugendorganisationen und Gewerkschaften bis zu den Kirchen. "Ein breiteres bürgerliches Spektrum ist kaum möglich", freute sich Marlies Haarmann als Vertreterin der katholischen Kirche über die Resonanz.

Aber es gab auch Kritik. Dass die Neonazis ihren Zug am Ort der Abschlusskundgebung des Arbeitskreises stoppen konnten, empfand DGB-Chef Eberhard Weber als "herbe Provokation". Es sei nicht hinzunehmen, dass "die Polizei sich auf das Spiel eingelassen hat"
.
Prof. Wolfgang Richter, Ratsherr des Linken Bündnisses, bedauerte, dass es nicht gelungen sei, den rechten Aufmarsch zu stoppen. Trotzdem sei es richtig gewesen, sich mit dem Bündnis gegen Rechts der großen Demonstration anzuschließen. Vielleicht nicht zum letzten Mal.
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