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Farbpsychologie
 
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Autor Thema: Farbpsychologie  (Gelesen 1431 mal)
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« am: 22. September 2006, 16:58:26 »

Schon als Kinder lernen wir, dass Grün die Eifersucht und Gelb der Neid ist. Rot bedeutet Liebe und Blau steht für Treue. Wir lernen also, dass Farben eine bestimmte Bedeutung haben. Denn Farben sind nicht einfach nur, sie werden vom Menschen geradezu erlebt, zeigen Wirkungen, wecken Emotionen und rufen Assoziationen hervor. Ja, Farbe wirkt sich sogar auf das gesamte Wohlbefinden des Menschen aus. Deshalb spielt Farbe auch im Grafik-Design eine wichtige Rolle. Welche Farbe aber sollte man einsetzen, um die richtige Assoziation zu erwecken? Die Antwort liefert uns die Farbpsychologie.

Was ist Farbe?
Würden Außerirdische auf unserem Planeten landen, sie würden vermutlich nicht das sehen, was wir sehen. Zumindest entginge ihnen aller Wahrscheinlichkeit nach die bunte Farbigkeit unseres Planeten. Denn diese existiert nur durch die Wirkung des Lichts auf das menschliche Auge und die Verarbeitung dessen in unserem Gehirn. Erst wenn ein Lichtstrahl, gebrochen an einer reflektierenden Fläche, ins Auge gelangt und die darin befindlichen Zäpfchen (erkennen Farbe) und Stäbchen (erkennen Helligkeitsunterschiede) darauf reagieren, sehen wir Farbe. Deshalb sind für uns "bei Nacht alle Katzen grau" und im strahlenden Sonnenlicht können wir die schillernden Farbnuancen des Regenbogens erkennen, der doch eigentlich gar nicht real ist.

Physiologisches Phänomen: Simultankontrast
Dennoch sind diese physiologischen Aspekte nicht in Stein gemeißelt. Oft spielen uns Farbempfindungen im Zusammenspiel mit anderen Sinneseindrücken einen Streich. Deshalb nehmen wir eine objektiv gleiche Farbe in unterschiedlichen Umgebungen unterschiedlich wahr. Man nennt dieses Phänomen auch "Simultankontrast", konnte bisher aber keine theoretische Erklärung dafür finden. Gerade für Gestaltungsarbeiten ist das Wissen darum wichtig, will man falsche Eindrücke vermeiden - oder die Wirkung ganz gezielt einsetzen. Denn dabei kann beispielsweise ein 30-prozentiges Grau - obwohl objektiv eindeutig festgelegt - auf farbigen Hintergründen einen anderen Farbeindruck liefern. Und auf einem weißen Hintergrund wird das Grau dunkler interpretiert, als auf einem schwarzen Hintergrund.

Farbpsychologie
Doch bei der Farbwahrnehmung spielen neben physiologischen Aspekten auch psychologische eine entscheidende Rolle. Denn Farben lösen die unterschiedlichsten Reaktionen und Assoziationen im Menschen aus. Mit diesem Phänomen beschäftigt sich die Farbpsychologie. Sie sieht das Farbempfinden aber nicht nur als Reaktion auf individuelle Erfahrungen, sondern vertritt auch die Meinung, dass jahrhundertealte (und vielleicht auch vererbte) Ansichten - sogenannte "archetypischen Vorstellungen" - unsere psychologischen Empfindungen beim Betrachten von Farbe beeinflussen. Damit sind Erfahrungen gemeint, die einem Kulturkreis gemein sind und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Grob klassifiziert man deshalb Rot als warme Farbe, Blau hingegen wird eher als kalt empfunden. Denn als archetypisches Kriterium steht Rot für das Feuer, aber auch für Krieg und Gewalt, während Blau ebenso der Himmel, der Raum und die Ewigkeit sind, als auch Eis und Schnee. Grün symbolisiert die Fruchtbarkeit und den Frieden. Und Gelb steht für die Macht Gottes, die Zeit und die Vergänglichkeit. Neben dem unbewussten kollektiven Bewusstsein spielt aber auch der Kontext des Bildes und die Empfindungen des Betrachters eine Rolle.

Farbwirkung
Deshalb kann durch den gezielten Einsatz von Farbe der Blick des Betrachters direkt beeinflusst werden - ein Fakt, der vor allem für Gestalter interessant ist. So wirken helle Bildinhalte leichter und dunkle schwerer. Lässt man beispielsweise zwei Personen jeweils eine schwarze und eine weiße Kiste hochheben, wird die schwarze Kiste als schwerer empfunden. Helle und hochgesättigte Farben werden aber auch stets länger betrachtet und werden als bildwichtiger interpretiert, als Elemente in dunklen oder schwach gesättigten Farben. Signalfarben sind hingegen bestens dazu geeignet, den Blick des Betrachters auf sich zu ziehen. Deshalb werden Warnschilder mit Rot umrahmt und die Haare des IFA-Maskottchens in flammendem Rot gehalten. In der Werbung macht man sich diese Wirkungen von Farbe oft zu Nutze: Für das Objekt eigentlich ungewöhnliche Farben verschaffen einen Hingucker. So war die lila Milka-Kuh ein wahrer Werbeerfolg. Und das rote Coca-Cola-Etikett ist bis heute Erkennungszeichen.

Farbassoziationen
Farben werden aber nicht nur vom Betrachter interpretiert, sie können auch Stimmungen und Gefühle erst erzeugen. Diese Farbassoziationen, die auch Emotionen wecken, sind jedoch abhängig von der persönlichen Erfahrung des Betrachters und dessen sonstigen Beobachtungen seiner Umwelt. Erlebnisse aber können negativ wie positiv sein und ebenso ist es möglich, dass eine Farbe von einem Betrachter positiv, vom anderen aber negativ interpretiert wird. Deshalb splitten viele Farbpsychologen die Grundfarben sogar in positive und negative Merkmale auf. Doch sind Empfindungen sehr individuell, so dass man Farben nur grob gewissen stimmungsbezogenen und sinnesbezogenen Assoziationen zuordnen kann. Man kennt die Grundtendenzen, die tatsächliche Auswirkung auf den Betrachter aber muss im Einzelfall entschieden werden. Und auch der Einsatz von Kontrasten sollte vorsichtig und sehr bedacht eingesetzt werden, will man negative Verknüpfungen vermeiden.

Beliebteste Farben der Deutschen
Welche Farbe aber sollte man bei der Gestaltung einsetzen, um farbpsychologisch nichts falsch zu machen? Einen ersten Anhaltspunkt gibt die Studie von beta45.de, welche die Lieblingsfarbe der Deutschen herausfinden wollte. Demnach ist bei 38 % der Deutschen Blau die Lieblingsfarbe. Sie symbolisiert Sympathie, Harmonie, Freundlichkeit, Freundschaft, Treue, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Sehsucht, Kälte, Kühle, Phantasie. Dicht gefolgt davon ist Rot mit 20 %. Rot ist eine der drei Urfarben und symbolisiert Glück, Freude, Energie, Liebe, Haß, Leidenschaft, Impulsiviät, Zorn, Verführung. Im Anschluss folgt Grün mit 12 %, doch bei Grün scheiden sich die Geister, denn ebenso viel Befragte nannten sie als unbeliebteste Farbe. Es symbolisiert die Natürlichkeit, Frühling, Hoffnung, Zuversicht, Frische, Gesundheit, Jugend. Es kann aber auch zur "grünen Hölle" werden. Besonders unbeliebt sind auch Braun (27%), Orange (11%) und Violett (11%). Allerdings wird Orange oft als Gestaltungsmittel eingesetzt, da es als effektiv, effizient und ökonomisch angesehen wird. Es wirkt aber in unseren Kulturkreisen auch künstlich, aufgesetzt und aufdringlich - und damit unsympathisch. Orange ist eine Modefarbe und hat damit das Image des Billigen. Es bietet aber auch Wärme, Licht und Geselligkeit als Assoziationen.

Farbedeutungen
Im Einzelnen werden den Farben deshalb von der Farbpsychologie folgende Bedeutungen zugeordnet, die allerdings keine allgemeinen Rückschlüsse (wie oben beschrieben) zulassen:

    * Gelb: Optimismus, Lebensfreude, Heiterkeit, Freundlichkeit, Wärme, Reife, Naivität, Luxus, Reichtum, Neid, Eifersucht, Geiz, Egoismus, Lüge, Unsicherheit, Gefühllosigkeit, extrovertiert, expandierend, aus sich herausgehend
    * Orange: Freude, Lebhaftigkeit, Spaß, Geselligkeit, Lebensbejahung, Ausgelassenheit, fanatisch, aktiv, effektiv, effizient, ökonomisch, künstlich, aufgesetzt, aufdringlich, billig
    * Rot: Aktivität, Dynamik, Gefahr, Temperament, Zorn, Wärme, Leidenschaft, Eroberungswille, Tatendrang, exzentrisch, Glück, Freude, Energie, Liebe, Haß, Leidenschaft, Impulsiviät, Verführung
    * Magenta: verspielt, mal so mal so, nicht definitiv, Umkehr, Einkehr, religiös, Farbe der Buße und Reinigung
    * Violett: Selbstbezogenheit, Eitelkeit, Einsamkeit, Genügsamkeit, introvertiert, statisch, unsympathisch, künstlich, unnatürlich, unsachlich, Unsicherheit, Untreue, verführerisch, unmoralisch, altmodisch, verdorben
    * Blau: Sympathie, Harmonie, Freundlichkeit, Freundschaft, Treue, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Sehsucht, Kälte, Kühle, Phantasie, Zufriedenheit, Ruhe, Passivität, Unendlichkeit, Sauberkeit, introvertiert
    * Grün: Meditation, Entspannung, Ruhe, Durchsetzungsvermögen, Frische, Beharrlichkeit, lebensfroh, naturverbunden, Frühling, Hoffnung, Zuversicht, Gesundheit, Jugend
    * Braun: Sinnlichkeit, Bequemlichkeit, Anpassung, Schwere, zurückgezogen, altertümlich
    * Grau: Neutralität, Trostlosigkeit, Einsamkeit, Nüchternheit, Elend, Nachdenklichkeit, Sachlichkeit, Funktionalität, Schlichtheit, Unfreundlichkeit, unbeteiligt, abweisend, eckig, kalt, sachlich
    * Weiß: Die Summer aller Farben ohne negativen Zusammenhang, Licht, Glaube, das Ideale, das Gute, der Anfang, das Neue, Sauberkeit, Unschuld, Bescheidenheit, Wahrheit, Neutralität, Klugheit, Ordnung, Leichtigkeit, Vollkommenheit, illusionär
    * Schwarz: Dunkelheit, Schmutz, Tod, Leere, Undurchdringlichkeit, Bedrängnis, Negation, Einsamkeit, Gefühllosigkeit, Konservativ, Modern, Sachlich, Funktional, Trauer, pessimistisch, hoffnungslos, schwer
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